Augenakupunktur: Wirkung, Anwendung und die wichtigsten Punkte

Augenerkrankungen sind für viele ein sensibles Thema – gerade weil die Möglichkeiten der klassischen Medizin manchmal an ihre Grenzen stoßen. In den letzten Jahren rückt daher die sogenannte Augenakupunktur immer mehr in den Fokus: eine spezielle Form der Akupunktur, die gezielt zur Unterstützung bei verschiedenen Augenbeschwerden eingesetzt wird.

Vielleicht hast du noch nicht viel darüber gehört oder fragst dich, wie dieser Ansatz überhaupt funktionieren soll. Was viele nicht wissen: Es gibt nicht „die eine“ Augenakupunktur, sondern verschiedene Methoden und Systeme – mit Stärken, aber auch Begrenzungen. Hier bekommst du einen fundierten Überblick, worauf es ankommt, was realistisch ist und wie du Augenakupunktur als ergänzenden Baustein sinnvoll nutzen kannst.

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Inhaltsverzeichnis



Augenakupunktur: Grundlagen und Hintergründe

Augenakupunktur ist ein Spezialzweig der Akupunktur, bei dem bestimmte Punkte – meist fernab der Augen, zum Beispiel an Händen, Füßen oder Ohren – stimuliert werden. Ziel ist es, die Durchblutung zu fördern, entzündliche Prozesse zu regulieren und die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Die klassische chinesische Medizin sieht einen engen Zusammenhang zwischen Augen und bestimmten Organ- sowie Energieleitbahnen (Meridianen).

Was viele unterschätzen: Der Begriff „Augenakupunktur“ steht nicht für eine einheitliche Behandlungstechnik. Die bekanntesten Ansätze stammen von Prof. Boel (Dänemark), aber auch das sogenannte YNSA-System (Yamamoto New Scalpel Acupuncture) oder die Mikroakupunktur-Systeme verwenden eigene Punktkombinationen. Allen gemeinsam ist: Es wird nicht (!) direkt ins Auge gestochen – die Behandlung erfolgt immer an anderen Arealen des Körpers. Im klinischen Alltag berichten Therapeuten übereinstimmend, dass vor allem chronische, langsam fortschreitende Augenleiden als Indikation genannt werden, zum Beispiel:

  • Makuladegeneration (altersbedingte Veränderungen)
  • Retinitis pigmentosa
  • Glaukom (Grüner Star – begleitende Maßnahmen)
  • Diabetische Netzhauterkrankungen

Auch wenn viele Patienten hoffen, die Augenakupunktur könne den Krankheitsverlauf stoppen oder sogar rückgängig machen, ist das wissenschaftlich nicht belegt. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) weist darauf hin (2023), dass keine Heilung oder Verbesserung garantiert werden kann. Dennoch berichten manche Patienten von subjektivem Sehen, das sich klarer oder weniger ermüdend anfühlt. Das zeigt: Hier spielen viele Faktoren – von individuellen Reaktionen bis hin zu Placebo-Effekten – eine Rolle.

Wie läuft Augenakupunktur ab?

Vor der ersten Behandlung steht immer eine ausführliche Anamnese: Welche Augendiagnose liegt vor, wie lange bestehen die Beschwerden und welche anderen Erkrankungen gibt es? Erst dann wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Die eigentliche Sitzung dauert in der Regel 20 bis 40 Minuten. Was sich in der Praxis bewährt hat: Die Nadeln werden meist an Händen, Füßen, Stirn oder Waden platziert – mit feinen, sterilen Nadeln, die meist nur einen leichten Druck oder ein Ziehen hervorrufen. Die Nadellänge und -tiefe variieren je nach Methode; einige Ansätze arbeiten mit sehr kurzen Nadeln, um die Haut kaum zu durchdringen.

Anders als bei der Standard-Akupunktur wird bei der Augenakupunktur oft in kurzen Abständen (z. B. täglich oder mehrmals pro Woche) über zwei bis drei Wochen behandelt. Erst dann folgt eine längere Pause oder „Erhaltungsphase“. Hier gehen die Meinungen unter den Experten allerdings auseinander, wie häufig und in welchem Rhythmus nach der Erstphase weiter behandelt werden sollte. Das hängt von der individuellen Symptomatik, den Begleiterkrankungen und der Reaktion auf die ersten Sitzungen ab.

Wichtige Punkte zum Ablauf

  • Die Behandlung darf nur von entsprechend geschulten Therapeuten durchgeführt werden.
  • Vor Beginn sollte eine augenärztliche Abklärung erfolgen – besonders, um akute Erkrankungen oder operative Maßnahmen auszuschließen.
  • Die Akupunkturnadeln werden ausschließlich außerhalb des Auges gesetzt (meist an Akupunkturpunkten an Händen, Füßen oder am Kopf).
  • Es kann kurzzeitig zu leichten Rötungen, kleinen Hämatomen oder selten zu Kreislaufreaktionen kommen.

Was Augenakupunktur leisten kann – und was nicht

Das Entscheidende aus therapeutischer Sicht: Augenakupunktur ist keine Wunderkur. Sie wird meist begleitend zu schulmedizinischen Therapien eingesetzt und dient vor allem der Durchblutungsförderung und allgemeinen Regulation.

Die Erfahrung zeigt: Bei langsam verlaufenden Augenerkrankungen kann Augenakupunktur helfen, Beschwerden wie trockene oder brennende Augen, müde Augen sowie die allgemeine Sehbelastbarkeit subjektiv zu bessern. Klinische Verbesserungen – z. B. im Gesichtsfeld oder bei der Sehschärfe – treten nur vereinzelt und meist in eher geringem Ausmaß auf. Was viele nicht wissen: Manche Patienten sehen nach den ersten Sitzungen kurzzeitig sogar etwas schlechter, bevor sich eine Besserung einstellt. Das ist meist reversibel.

Wie bei vielen komplementären Methoden gilt auch hier: Die Reaktion ist sehr individuell. Es gibt Patienten, die kaum eine Veränderung bemerken, andere erleben eine spürbare Entlastung der Augen. Entscheidend ist die Absprache mit dem behandelnden Augenarzt und ein realistisch-abgestimmtes Erwartungsmanagement. Auch aktuelle Studienlage und Leitlinien (DOG, 2023) zeigen, dass kein Ersatz für medikamentöse oder operative Maßnahmen besteht, sondern eine Zusatzunterstützung. Eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle bleibt unverzichtbar.

Chancen und Grenzen realistisch einschätzen

  • Chancen: Subjektive Entlastung, weniger Trockenheitsgefühl, manchmal verbesserte Belastbarkeit bei Bildschirmarbeit.
  • Grenzen: Keine belegte Besserung der eigentlichen Augenerkrankung, keine Heilung, nicht für akute Notfälle geeignet.

Was sich bewährt hat: Wer offen an das Thema herangeht und Augenakupunktur als Teil eines Gesamtpakets sieht (Ernährung, Stressmanagement, medizinische Kontrolle), profitiert meist am meisten.

Praktische Tipps zur Anwendung im Alltag

Falls das Thema neu für dich ist, gibt es ein paar Details, die oft übersehen werden: Die Auswahl eines gut ausgebildeten Therapeuten ist entscheidend – ein erfahrener Behandler kennt sowohl die speziellen Punktkombinationen als auch den Umgang mit sensiblen Situationen.

Empfehlenswert ist ein Behandlungsprotokoll: Notiere dir nach jeder Sitzung, wie sich deine Augen anfühlen – das hilft, Veränderungen objektiver wahrzunehmen und spart unnötige Enttäuschungen. Manchmal tritt erst nach mehreren Sitzungen eine Veränderung ein; direkte „Aha-Effekte“ sind eher selten. Was viele nicht wissen: Kurze, gezielte Entspannungsübungen für die Augen (z. B. palming oder bewusstes Blinzeln) können die Behandlung unterstützen.

Achte zudem auf deine Arbeitsplatzbeleuchtung und Bildschirmpausen. Viele übersehen den Zusammenhang zwischen allgemeinen Augenbelastungen und dem Verlauf von chronischen Augenbeschwerden. Wer zudem auf stabile Blutzuckerwerte (bei Diabetes), ausreichend Flüssigkeit und den Verzicht auf Nikotin achtet, schafft günstige Bedingungen für jede unterstützende Maßnahme – auch für die Augenakupunktur.

Therapeuten berichten übereinstimmend, dass eine zu hohe Erwartungshaltung oder der Verzicht auf augenärztliche Begleitung zu den häufigsten Fehlern gehören. Sie empfehlen, alle Behandlungsbausteine (Augenarzt plus ergänzende Methoden) in Einklang zu bringen, anstatt voneinander zu trennen.

Augenakupunktur in der Praxis: Was du mitnehmen solltest

Augenakupunktur bietet eine spannende, aber nicht überschätzte Ergänzung bei chronischen Augenbeschwerden. Der Mehrwert liegt vor allem in der subjektiven Entlastung, der Förderung der Durchblutung und dem individuell abgestimmten Anwendungskonzept. Wer offen bleibt, regelmäßig kontrolliert und keine absoluten Heilungserwartungen hat, kann die Potenziale der Methode am besten ausschöpfen.

Denk dran: Augenakupunktur ersetzt keine schulmedizinische Behandlung. Sie kann aber helfen, Symptome abzufedern und die Lebensqualität zu erhöhen – zusammen mit regelmäßiger augenärztlicher Kontrolle und einem realistischen Blick auf die Chancen und Grenzen.

Häufige Fragen zu Augenakupunktur

Was ist Augenakupunktur und wie funktioniert sie?

Augenakupunktur ist eine spezielle Form der Akupunktur, bei der bestimmte Punkte am Körper stimuliert werden, um die Durchblutung und Regulation im Augenbereich zu fördern. Sie basiert auf Konzepten der Traditionellen Chinesischen Medizin und wird begleitend bei chronischen Augenerkrankungen eingesetzt.

Hilft Augenakupunktur bei Makuladegeneration oder Glaukom?

Die Erfahrung zeigt, dass Augenakupunktur begleitend zur Therapie genutzt werden kann, um das Wohlbefinden zu steigern. Heilung oder eine belegte Besserung der Erkrankung sind jedoch wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen. Sie ersetzt in keinem Fall die schulmedizinische Behandlung.

Wie oft sollte eine Augenakupunktur durchgeführt werden?

Üblich sind intensive Anfangsphasen mit mehreren Sitzungen pro Woche über wenige Wochen, gefolgt von längeren Abständen. Der optimale Rhythmus hängt von Beschwerden, Verlauf und individueller Reaktion ab – eine enge Abstimmung mit deinem Therapeuten ist daher wichtig.

Kann Augenakupunktur Nebenwirkungen verursachen?

Typische Nebenwirkungen sind geringe Rötungen, kleine Hämatome oder kurzfristige Reaktionen wie Müdigkeit. Schwere Komplikationen sind sehr selten, wenn die Behandlung fachgerecht durchgeführt wird. Ein Vorgespräch klärt individuelle Risiken.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Augenakupunktur?

Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland übernehmen Augenakupunktur in der Regel nicht. Private Kassen oder Zusatzversicherungen können in Einzelfällen Kosten anerkennen – am besten direkt vorab nachfragen.

Darf ich Augenakupunktur machen, wenn ich vor kurzem operiert wurde?

Nach Augenoperationen sollte mit jeder Form der Akupunktur – auch Augenakupunktur – gewartet werden, bis der behandelnde Augenarzt grünes Licht gibt. Unbedingt vorab abklären, um Heilungsprozesse nicht zu stören.

Für wen ist Augenakupunktur nicht geeignet?

Augenakupunktur ist nicht für akute Augeninfektionen, schwere systemische Erkrankungen oder während der Schwangerschaft ohne ärztliche Rücksprache geeignet. Auch Kinder und Jugendliche benötigen eine individuelle Risikobewertung durch einen erfahrenen Experten.

Jeder Körper reagiert anders, und was für den einen hilfreich ist, kann beim anderen weniger Wirkung zeigen. Gerade bei chronischen Augenerkrankungen lohnt sich eine individuelle Beratung. Fachleute unterstützen dich, Chancen und Grenzen dieser Methode realistisch einzuschätzen.

Tipp: Auf StaySana findest du weitere Informationen und passende Expert:innen, die dich individuell begleiten können.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. Die Inhalte dieses Artikels stellen keine Heilversprechen dar und sind nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung gedacht.

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